Sebastian B.
Sebastian B.
aus 9971 Matrei in Osttirol, Österreich
imkert seit 2013

Ein Bienenvolk stellt ein sehr komplexes System dar. Jede einzelne Biene hat ihre Funktion. So wie die ersten Sonnenstrahlen den Frühling ankünden, entsteht wieder Leben im Bienenstock. Die Königinn beginnt mit der Brut, Bienen pflegen sie, die Bienen fliegen aus und jede Biene sorgt sich darum das alles im Bienenvolk richtig funktioniert und am Ende des Sommers genügend Vorrat im Volk ist um den Winter zu überleben.

Hallo! Ich bin Sebastian

Ich betreue 35 Bienenstöcke seit 2013.
Über mich

Was gefällt dir an der Imkerei? Was sind die größten Herausforderungen beim Imkern?

Durch Zufall bin ich auf die Imkerei aufmerksam geworden und habe mit 3 Völkern gestartet. Verschiedene Vorträge haben mein Interesse geweckt. So hällt mich das Thema Imkerei gefangen - und ich begeistert von der Vielfallt der Bienen.

Stell dich doch kurz vor! Wie bist du zur Imkerei gekommen? Seit wann imkerst du?

Der Unterricht in der Schule LLA-Lienz ist mir in Erinnerung, hat aber nicht dazu beigetragen Imker zu werden. Gestartet habe ich mit einem Imkerpaten, aber auch mit Kursen die zum Thema Imkerei angeboten werden haben mir sehr geholfen. Verheiratet, zwei erwachsene Söhne. Servicetechniker bei fitstore24.at mit einer Leidenschaft: der Imkerei :-)

Interview

Welche ist die größte Herausforderung für ImkerInnen?

Imkern ist mehr als nur eine Bienenvolk in den Garten zu stellen. Als Imker hat man viel Verantwortung gegenüber der Natur, den Tieren und den Mitmenschen. Egal ob es die richtige Betriebsweise in der Bienenhaltung ist, der richtige Umgang mit der Natur, oder auch die richtige Ernte von Honig, einem hochwertigem Lebensmittel, in allen Bereichen ist es notwendig verantwortungsvoll zu arbeiten. Imker auf dem Laufenden zu halten und zu informieren ist eine große Herausforderung. Nur gut ausgebildete Imker werden Erfolg in der Imkerei haben und somit dem Bienensterben entgegen wirken.

Was lernen ImkerInnen genau?

Die Ausbildung in der Imkerei ist sehr vielseitig. Das Leben der Biene, Bienengesundheit, Vermehrung der Bienen, richtig Honig ernten, Vermarktung von Honig, Zusammensetzung von Bienenprodukten, Apitherapie oder auch gesetzliche Vorgaben in der Imkerei und beim Verkauf von Bienenprodukten sind nur einige wenige Themen die ein Imker wissen sollte.

Wie hat sich deine Sicht auf die Natur geändert seit du ImkerIn bist?

Ein Imker der die Natur beobachtet und seine Bienen richtig bewirtschaftet wird immer Erfolg haben. Viele Arbeiten in der Imkerei lassen sich nicht nach Datum sortieren sondern sind abhängig von der Entwicklung der Natur. Salweidenblüte, Kirschblüte oder Schwarzhollerblüte sind wichtige Kennzeichen der Natur die in der Imkerei wichtig sind.

Wie nutzt du Vereine und wie ist der Zusammenhalt?

Für mich ist die Mitgliedschaft in deinem Imkereiverein ein MUSS !! Viele Informationen werden dort verteilt, Probleme angesprochen und Lösungen gesucht. Die Kommunikation unter den Imkern ist sehr wichtig. Viele Probleme wie die Varroamilbe können nur in der Gruppe gelöst werden. Zeitgleiche Varroabekämpfung von Imkeren die im gleichen Flugkreis der Biene sind, ist sehr wichtig und führt leichter zum Erfolg.

Was kostet der Start in die Imkerei und was der laufende Betrieb?

Für den Start sind ca € 2.000,- Euro sicher ein guter Anhaltspunkt. Es kommt aber immer auf den Imker selber darauf an. Zu wenig auszugeben ist ebenso ein Fehler wie zuviel. Die Kosten vom laufenden Betrieb sollten mit dem Verkauf von Bienenprodukten abgedeckt werden. Wie sowas gelingt kann man in Kursen und im Gespräch mit anderen Imkern lernen.

Kannst bzw. möchtest du von der Imkerei leben?

Nein, Imkern ist für mich Nebenerwerb und wird es auch bleiben. Ich bin Imker aus Interesse und nicht um damit reich zu werden. Es ist auch ein Ausgleich zum Beruf. Es ist aber durchaus möglich von der Imkerei zu leben. Bevor man die Entscheidung trifft von der Imkerei zu leben, sollte man meiner Meinung nach einige Jahre Imkererfahrung haben.Dann wird es gelingen und auch Freude machen.

Es gibt die Sorge, dass die Honigbienen Wildbienen vertreiben. Wie siehst du das?

Nein, das sehe ich nicht so. Wild- undHonigbienen ergänzen sich sehr gut. Jede Biene hat unterschiedliche Anforderungen an die Natur. Ebenso zieht die Natur auch Nutzen sowohl von der Honigbiene, als auch von der Wildbiene. Müssten Wildbienen unser Obst bestäuben, dann wär das zu wenig. Keine Volk von Wildbienen hätte im Frühjahr die Volksstärke um diese Arbeit zu übernehmen. Die Honigbiene hat die Möglichkeit, da sie als Volk überwinternt und nicht nur die Königinn alleine, wie eben bei vielen Wildbienen. Vielen Wildbienen hingegen fliegen bei niedrigeren Temperaturen und können dort Nektar finden und Blüten bestäuben. Alle Bienen sind wichtig und haben Ihre Berechtigung.

Ältere ImkerInnen sollen angeblich ungern ihr Wissen teilen. Was denkst du darüber?

Das stimmt nicht mehr. In den letzten 10 - 15 Jahren hat sich das stark geändert. auch ältere Imker teilen das Fachwissen und erzählen von Ihren Erfahrungen in der Imkerei. Es gibt ebenso viele ältere, als auch jüngere Imker die eher verschlossen sind und sich nicht öffentlich einbringen möchten.

Sind Bienen das anstrengendste oder betreuungsintensivste Haustier?

Jedes Tier benötigt Zeit und Interesse. Wenn ich ein Haustier halte sollte immer klar sein das ich mich darum kümmern muß. In meinen Augen ist die Frage falsch. Die Biene ist KEIN Haustier. Die Biene bleibt ein Wild- und Nutztier. Wir können die Biene unterstützen und durch Zucht gweissen Vorzüge wie Sanftmut verstärken. Wir nutzen Ihren Sammeltrieb um Honig zu ernten. Aber ein Hautier ist die Biene sicher nicht.

Die Anzahl der ImkerInnen steigt. Die Anzahl der Bienenvölker nicht. Was ist deiner Meinung nach der Grund?

Imker sind jünger und weiblicher geworden. Viele Imker betreiben die Bienenhaltung als Hobby oder im Nebenerwerb. So sinkt die durchschnittliche Völkerzahl. Hätte man das Thema Bienensterben nicht öffentlich gemacht, hätte sich die Zahl der Hobbyimker und Nebenerwerbsimker nicht gesteigert, und die Imkeranzahl wäre gleich geblieben, und die Völker hätten sich noch mehr nach unten verändert.

Was unterscheidet die neue Imkergeneration von der alten?

Durch das Internet hat jeder die Möglichkeit viel Information zu erhalten. Das kann positiv, aber auch mal negativ sein. Früher lernte man viel durch Überlieferung von alten Imkern. Heute kann ich auch das Internet oder die vielen Fachbücher nutzen um mich in der Imkerei weiterzubilden. Die junge Imkergesellschaft ist offener. Redet untereinander und bildet sich auch weiter. Fachkurse, Facharbeiterkurse und Meisterkurse sind sehr gut besucht. Ausgebildete Imker heben die Qualität der Imkerei.

Wie viel sollte ein Kilo Honig deiner Meinung nach kosten?

Das muß jeder Imker selber wissen. Es ist schon ein Unterschied ob ich eine Massentracht ernte und im Schnitt 100 kg pro Volk erntem kann, oder ob ich im Gebirge mit vielen Kräutern, abwechslungsreichen Blüten und umfangreichen Pollenangebot meinen Honig ernte und dadurch nur einen Schnitt von 15 - 20 kg pro Volk habe. Wenn mir der Honig schmekt und ich vertrauen in das Produkt habe werde ich nicht zurückschrecken wenn der Honig auch einen höheren Preis hat. Nicht der Preis sollte das Kriterium sein, sonder die Region woher der Honig kommt. Regionale Produkte sollten leichter erkennbar sein.

Gibt es ein Bienensterben oder nicht? Begründe bitte deine Meinung.

Ja, nicht nur Bienensterben, auch Insekten, Vögel und viele andere Nützlinge werden weniger. Der Mensch nutzt die Natur sehr sehr intensiv. Verkehr, Industrie, immer höhere Erträge in derLandwirtschaft hinterlassen Spuren. Wir suchen immer nach dem billigsten Produkt. Unter welchen Umständen produziert wird, ignorieren wir.

Ist der/die ImkerIn der größte Feind der Bienen?

Wenn du alle Antworten oben gelesen hast, erübrigt sich diese Frage! NEIN, der Imker arbeitet mit den Bienen zusammen. Der Imker nutzt die Bienen, die Biene nutzt den Imker. Ein Beispiel dafür ist die Honigernte. Viele Honige sind nicht als Winterfutter geeignet. Auf Waldhonig, oder Melizitosehonig könnte die Biene den Winter nicht überleben. Um diesen Honig umzuwandeln wird viel Wasser benötigt. Das kann aber im Winter nicht eingeholt werden. Mais, oder Rügenzucker Sirup hingegen ist für die Biene leicht aufzunehmen. Abgesehen von den Bienenkrankheiten und Parasiten die der Biene zusetzen,ist auch das trokene Klima und die heißen Sommer immer mehr ein Problem für die Bienen. Ohne Imker würde die Biene nicht lange überleben, bzw. würde die Anzahl der Bienen stark nach unten gehen.

Frage 3 ImkerInnen, bekomme 4 Antworten. Wieso ist das so in der Imkerei?

Eine Frage ist immer eine Momentaufnahme mit vielen Möglichkeiten. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, ich muss viele verschiedene Dinge in der Imkerei bedenken um zur richtigen Antwort zu kommen. Immer mehr kommt auch der Geschäftssinn von Unternehmen ins Spiel. Nicht alles was wir vorgesetzt bekommen ist eine Antwort auf eine Frage. Ein guter Imker lässt sich beraten und entscheidet selbst was das richtige für seine Bienen ist.

Wie sieht sinnvoller Bienenschutz aus?

Wachwissen erlernen. Interesse zeigen. Mit der Natur und dem Lebewesen Biene arbeiten. Bienenschutz hat nicht nur mit Bienenhaltung zu tun. Wir sollten unsere Gewohnheiten hinterfragen und nachdenken ob wir uns damit für oder gegen die Natur entscheiden. Es ist kein Bienenschutz wenn ich für mein gutes Gewissen Bienen in den Garten stelle, gleichzeitig aber in allen meinen täglichen Abläufen keine Rücksicht auf die Natur gebe. Regionale Produkte zu kaufen ist gleichviel Bienenschutz wie Bienen zu halten.

Was empfiehlst du ImkerInnen, die neu beginnen?

Vorher Informationen einzuholen. Sich bewust zu sein, das es eine hohe Verantwortung ist Bienen zu halten.

Was denkst du über Hektar Nektar?

Würde ich die Sache nicht befürworten, hätte ich nicht die obigen Fragen beantwortet. Dennoch auch hier mein Zuruf: Wenn alle zusammen helfen wird es besser gelingen Erfolg zu haben. Konkret: Hätte man die Verantwortlichen in den Regionen in die Presseaussendung eingebunden, gäbe es nicht so viel Widerstand gegen das für mich doch sehr sinnvolle Projekt. In unserer Region haben wir kein Problem mit Imkernachwuchs. Deshalb doch etwas überrascht über eueren Aufruf. Aber bitte macht weiter - MIT uns Imkern - und nicht GEGEN uns. Vielen Dank.

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